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Krypto-Währungen boomen, aber Bitcoin hatte auch einige Rückschläge in letzter Zeit zu verbuchen. Sind Bitcoins ein reines Spekulationsprodukt oder die Währung der Zukunft? 10 Fakten zur neuen digitalen Währung.

Bitcoin Logo

Bitcoin-Logo, abgekürzt BTC oder mit dem Währungssymbol XBT.

Bitcoin unterscheidet sich wesentlich von allen bisherigen digitalen Bezahlsystemen im Internet, die im Wesentlichen auf bereits bestehenden nationalen Währungen basieren.

Nationale Währungen wie der Euro oder Dollar werden auch Fiat-Geld genannt, da sie im Gegensatz zu Gold oder Warengeld keinen inneren Wert besitzen. Diese Eigenschaft teilen sie auch mit Bitcoin.

Mit Bitcoin wurde ein eigenes komplett unabhängiges digitales Peer-to-Peer-Geldsystem geschaffen, das auf kryptographischen Algorithmen basiert, dezentral organisiert ist, und dazu beiträgen könnte, den Einfluss der Banken und des Staates zurückzudrängen und die volkswirtschaftlichen Kosten des Geldsystems nachhaltig zu minimieren.

1. Bitcoin als Antwort auf die große Finanz-, Banken- und Schuldenkrise, die ihren Anfang in der Subprime-Krise 2007 genommen hat.

Bitcoin ist eine quelloffene digitale Krypto-Währung, die 2009 nach Ausbruch der Finanzkrise entstand, und einige inhärente Probleme unseres Geldsystems wie Überschuldung und Inflation lösen könnte. Deswegen sehen viele Bitcoin als Antwort auf die Finanz- und Schuldenkrise.

2. Bitcoin ist eine globale, dezentrale Open-Source-Währung und damit unabhängig von (Noten)banken und dem Staat.

Banken profitieren vom jetzigen System, indem sie Zinsen und Gebühren für virtuelles Geld in Rechnung stellen und damit spekulieren. Auf der anderen Seite neigen Politiker dazu, den einfachsten Weg zu gehen und immer mehr Schulden zu machen (bzw Geld zu drucken), anstatt echte Reformen anzugehen. Bitcoin funktioniert, ohne dass traditionelle Banken im Spiel sind. Jeder kann nach vorgegebenen Regeln Bitcoins erzeugen ("minen"), weitergeben und sich an der Infrastruktur beteiligen.

3. Bitcoins sind zinsfreies Geld.

Praktisch das gesamte Fiat-Geld, das derzeit im Umlauf ist, ist Schuldgeld, für das jemand Zinsen bezahlen muss. Würde man alle Schulden zurückzahlen, würde es kein Geld mehr geben. Bitcoins hingegen werden zinsfrei erschaffen und können nicht in beliebig großen Mengen erzeugt werden.

4. Bitcoin hat eine Obergrenze von 21 Millionen Bitcoins.

Der Erzeugungsprozess von Bitcoins ist eine Art Incentive für die Bereitstellung von Infrastruktur (Rechenleistung), um das Bitcoin-Netzwerk aufrecht zu halten. Dabei wird die Erzeugung von neuen Bitcoins immer schwieriger und es existiert eine maximale Obergrenze von 21 Millionen Bitcoins. Derzeit sind bereits 12 Millionen Bitcoins erzeugt worden.

5. Bitcoins können so wie Bargeld verloren gehen.

Bitcoins können lokal auf dem eigenen Rechner gespeichert werden. Verliert man den Schlüssel, sind die Bitcoins unwiderruflich verloren. Man kann seine Bitcoins auch einem Web-Wallet anvertrauen, also einer Art Bitcoin-Bank im Internet. Aber auch das birgt natürlich Risiken (siehe Mt. Gox) und man schafft wieder "Banken", was man eigentlich vermeiden möchte. Daher ist es ratsam, Bitcoins auf mehrere Wallets zu verteilen und gut abzusichern.

6. Bitcoin hat langfristig einen deflationären Charakter, der sich negativ auswirken könnte.

Da sich die Erzeugungsrate von neuen Bitcoins laufend verlangsamt und Bitcoins auch verloren gehen können, besteht die Gefahr einer deflationären Entwicklung. Das heißt, Bitcoins könnten langfristig, falls sie wirklich in Verwendung sind, laufend an Wert gewinnen oder sogar ausgehen, da sie von wenigen Teilnehmern im System gehortet bzw. wegen ihres steigenden Wertes kaum noch weitergegeben werden. Diese Situation hätte eine negative Auswirkung auf den Konsum und die Wirtschaft. Ich sehe die fixe Obergrenze und Verlangsamung der Schöpfung von Bitcoins daher mittlerweile sogar als Design-Fehler und würde eine Krypto-Währung bevorzugen, die besser skaliert, verloren gegangene oder ungenutzte Coins wieder zurückgewinnen kann und auch kontrollierte Inflation zulässt.

7. Bitcoin garantiert keine Anonymität.

Alle Bitcoin-Transaktionen werden öffentlich in der sogenannten Block-Chain gespeichert. Findet man die Identität einer Bitcoin-Adresse heraus, lässt sich der komplette Zahlungsverkehr zurückverfolgen. Der Staat könnte auf diese Weise leichter Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpfen, was durchaus wünschenswert wäre.

8. Negative Eigenschaften von Fiat-Geld könnten sich auf Bitcoin übertragen.

Trotz der vielen positiven Eigenschaften von Bitcoins, besteht die Gefahr, dass sich die Krypto-Währung ohne zentrale Kontrolle verselbstständigt und sich in ähnlich korrupten Bahnen entwickelt wie das traditionelle Geld. Es könnte ein Kreditwesen um Bitcoins entstehen, das mit dem Versprechen auf Bitcoins, die gar nicht existieren, handelt, und im Wesentlichen genau dem jetzigen Geldsystem entspricht und wieder zu einer Bankenabhängigkeit, Hyper-Inflation und Überschuldung führt. Die Welt alleine mit Technik verbessern zu wollen, ist illusorisch.

9. Volatilität, Anti-Bitcoin-Lobby, und einige große Pannen und Betrugsfälle stehen der realen Verbreitung derzeit noch im Weg.

Bitcoin-Kursentwicklung April 2013 bis April 2014 in USD.

Kursentwicklung April 2013 bis April 2014 in USD. Man sieht den enormen Kursanstieg im November 2013. Derzeit ist ein Bitcoin etwa 450 USD Wert. Quelle: bitstamp.net

Im Moment sehe ich Bitcoins aufgrund der extremen Volatilität eher als Spekulationsprodukt, das sich nur bedingt dazu eignet, reale Geschäfte abzuwickeln. Würden Bitcoins tatsächlich verwendet werden, würde sich die Spekulation einpendeln. Also im Prinzip ist es ein Henne-Ei-Problem.

Dazu kommt das Risiko von Bugs und Sicherheitslücken, das etwas umständliche Handling und die Gefahr, die eigenen Bitcoins jederzeit verlieren zu können.

Ebenfalls spannend ist, wie Staaten und Banken auf die neue Währung reagieren werden. Trotzdem glaube ich, wenn es nicht Bitcoin schafft, dann vielleicht eine andere Krypto-Währung, denn ...

10. Krypto-Währungen haben das Potential, unser Geldsystem komplett zu revolutionieren und könnten die Währung des 21. Jahrhunderts werden.

Sind Bitcoins die Lösung für die große Finanz- und Schuldenkrise oder nur ein reines Spekulationsprodukt? Besitzt du Bitcoins oder eine andere digitale Währung oder ist es dir noch zu riskant einzusteigen? Wie wird sich Bitcoin in Zukunft weiterentwickeln?

Weitere Ressourcen

28.04.2014 Virtual Net

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