Virtual Log

Dass TU-Studenten (insbesondere Informatik-Studierende) in der Regel nicht gerade ein freundschaftliches Verhältnis zu großen Konzernen wie Microsoft haben und sich naturgemäß für kostenlose Alternativen interessieren, ist – glaube ich – bekannt (ich selbst bin stolzer Besitzer eines GNU/Linux-Servers). Bezeichnend dafür war heute ein anonymes Flugblatt, das bei der Vista-Präsentation auf der TU Wien verteilt wurde. Microsoft Österreich war so freundlich und hat eine Kopie gleich nach der Präsentation auf vistablog online gestellt.

In diesem Artikel wird Microsoft unter anderem vorgeworfen, Kopierschutztechnologien (DRM) zum Abspielen von "Hollywood-Content" in das Betriebssystem eingebaut zu haben. Neben den vielen inhaltlichen Fehlern (z.B. DRM schränke die Verlässlichkeit des Systems ein; Vista kostet in Europa $780 im Gegensatz zu $380 in den USA; Microsoft genehmige nur Treiber, die den Designauflagen der "Hollywood-Studios" gerecht werden; etc.) finde ich die aufgezählten Alternativen besonders skurill:

1 Bevorzugute Alternative: Klar, unbedingt sofort auf GNU/Linux umsteigen. Das Problem: Es stimmt zwar, dass in der Standardinstallation kein DRM enthalten ist, dafür ist es auch umso schwieriger, legal Content abzuspielen.

2 Widerwillig wird darauf verwiesen, dass man auch auf Apple umsteigen könnte. Das Problem: Ok, aber hat nicht Apple auch massiv DRM in ihre Systeme eingebaut? (Stichword iTunes)

3 Beim Kauf ja keinen Computer mit vorinstalliertem Windows Vista kaufen, dafür aber danach Windows XP installieren. Das Problem: Hmm, ich frage mich, was das wirklich bringen soll. Der Windows Media Player untersützt ja auch unter Win XP DRM-geschüzten Content. Oder meinte der Artikel vielleicht die Windows XP Version N (ohne WMP)?

Schade, dass DRM-Diskussionen von einigen Kollegen (ich bin auch TU-Informatiker) offensichtlich auf diesem Niveau geführt werden. Mit solchen Aktionen wird man leider in der eigentlichen Sache (DRM – Defective By Design?) nicht wirklich weiterkommen, da DRM eine generelle Problematik der Content- und Softwareindustrie darstellt.

Update: Ich habe gerade herausgefunden, dass diese Aktion schon lange von der Fachschaft Informatik geplant wurde und sogar öffentlich in einem Informatik-Forum diskutiert wurde, wie man diese Info-Veranstaltung noch "sabotieren" könnte.

15.03.2007 Virtual Net

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